MTV Mittelnkirchen

von 1881 e.V.

   
 
             
 
 
Vereinsgründung
 
 

Es war einmal vor langer, langer Zeit - wir schreiben das Jahr 1881, genauer gesagt, den 07. Januar des Jahres - als mehrere junge Leute, wohl vor dem Gedanken Turnvater Jahns überzeugt oder vielleicht von den Weihnachtsfeiertagen geplagt, gemeinsam mit ihrem Lehrer Tietjen den bereits 1864 gegründeten Männerturnverein Mittelnkirchen wieder ins Leben zurückriefen. Die Gründung eines Turnvereins stieß auf allgemeine Zustimmung bei der Bevölkerung der Oberen Lühe, und schon fanden sich 33 junge Männer, die aktiv am Turnbetrieb teilnahmen.

Der Verein tritt dem Unterelbe Gau der Deutschen Turnerschaft bei und scheint sich fast etabliert zu haben, als Lehrer Tietjen Mittelnkirchen verlässt und den Vorsitz über den jungen Verein weniger geschickten Männern überlässt. Es kommt zu Unstimmigkeiten und wohl auch zu so manchen Zahlungsschwierigkeiten, so dass im Dezember 1884 schon fast das erneute “Aus” für den MTV Mittelnkirchen ansteht: Am Heiligabend sollen die Turngeräte des Vereins aufgrund einer nicht geleisteten Zahlung gepfändet werden. Wie die fünf Männer, die damals der turnerischen Idee die Treue hielten, so dass wir heute den 120. Geburtstag des MTV Mittelnkirchen feiern können, die Pfändung der Geräte abgewendet haben, ist leider nicht bekannt. Auf jeden Fall haben die Mittelnkirchener es ihnen zu verdanken, dass es in der Folgezeit unter dem Vorsitz von Peter Giese und der turnerischen Leitung von Lehrer Ludwig Plate wieder bergauf geht  mit dem Verein: Am 16. Mai 1897 kann endlich - nach langen Kämpfen um die finanziellen Mittel - eine Fahne für den Männerturnverein geweiht werden. Im Jahr 1903 nimmt der Verein mit großem Erfolg am Gauturnfest in Winsen teil. “Unser Musterriege findet wegen ihrer exakten Vorführung den Beifall aller Festteilnehmer”, hieß es dort. Am 10. Juni 1906 feiern die Mittelnkirchener Turner gemeinsam mit allen befreundeten Nachbarvereinen ein großes Fest anlässlich der 25-jährigen Stiftung, woraufhin viele neue Mitglieder dem Verein beitreten.

Eine Zwangspause in der turnerischen Arbeit verordnet der Erste Weltkrieg, der auch so manchem Turner zum Verhängnis wird. Doch auch nach dem Krieg ist die turnerische Idee ungebrochen, und auf dem Saal von Johannes Somfleth findet wieder regelmäßiges Geräteturnen statt. Der langjährige Pastor von Mittelnkirchen, Richard Müller, wird erster Vorsitzender und ist in den Wirren der damaligen Zeit ein ruhender Pol für alle Mitglieder. Auch die Weltwirtschaftskrise, die die Menschen bereits zum zweiten Mal in einem Jahrzehnt um ihre letzten Groschen fürchten lässt, vermag die Mitglieder des Vereins jedoch nicht zum Aufgeben zu bringen. Unter der Obhut von Heinrich Hellwege turnen neben der Knabenabteilung 98 Turnerinnen und Turner, die immer al wieder beachtliche Erfolge erzielen, obwohl nicht einmal ausreichende Übungsstätten zur Verfügung stehen. So trainieren die Mittelnkirchener für die Waldlaufmeisterschaften 1931 in Altkloster auf der Dollerner Chaussee - und gewinnen! Auch auf volkstümlich-tänzerischer Ebene gelangen die Aktiven des MTV zu großen Erfolgen. Die “Fox Tönende Wochenschau” verfilmt die Tänze der Trachtengruppe und strahlt sie in der ganzen Welt aus.

Am 03. und 04. Oktober 1931 feiern die Mittelnkirchener das 50-jährige Bestehen ihres Turnvereins auf dem Somfleth´schen Saal. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise sind gerade überstanden, als die neuen politischen Ideologien auch vor den deutschen Turnern nicht alt machen. Wo früher die turnerische Idee an erster Stelle stand, wird 1933 der Arierparagraph auch in die Satzung der Deutschen Turnerschaft aufgenommen. Für den MTV Mittelnkirchen bedeutet dies den Verlust ihres ersten Vorsitzenden, da Heinrich Hellwege die von der deutschen Turnerschaft geforderten Erklärungen von Turnern, die vorher einer marxistischen Partei angehört haben und jetzt ihrer Abkehr schriftlich nachweisen müssen, nicht einholen will und kann. “In einer Gemeinschaft muss die Sache über der Person stehen”. Hellwege tritt im Mai 1933 von seinem Amt zurück. Während des Zweiten Weltkrieges ruht der Turnbetrieb, wird aber schon 1946 mit drei Übungstagen in der Woche wieder aufgenommen. Das nächste dokumentierte Highlight in der Geschichte des MTV ist die Teilnahme einer aktiven Gruppen am Deutschen Turnfest 1953 in Hamburg unter der Leitung von Hans-Heinrich Segeler.

Der nächste Meilenstein des nun schon 85 Jahre alten Vereins ist das Jahr 1966. Am 24. Januar wird die Turnhalle der Grundschule Guderhandviertel eingeweiht. Sie soll an den Nachmittagen und am Abend den Turnern vom Verein zu Verfügung stehen. Weitere zwölf Jahre soll es dauern, bis am 28. Mai 1978 auch eine Schulsportanlage in Betrieb genommen wird, die ebenfalls vom MTV genutzte werden kann. 

Denn: „Wir machen das für Euch!“